Usedom oder Rügen: Welche Insel passt zu welchem Wohnmobil?
Stand: 18. August 2026

Die beiden großen Ostsee-Inseln kassieren nach völlig verschiedenen Systemen. Auf Usedom staffeln acht von neun Campingplätzen den Preis nach Fahrzeuglänge, meist mit der Kante bei sieben Metern. Auf Rügen ist die Längenstaffel die Ausnahme: Dort zählt die Parzellenfläche, oder ein Wohnmobil kostet pauschal dasselbe, egal wie lang es ist. Für ein Fahrzeug über sieben Metern ist Rügen deshalb beim Preis die entspanntere Insel. Usedom gewinnt dafür im Winter, mit vier nutzbaren Plätzen gegen zwei, und liegt von Gützkow aus deutlich näher. Alle Zahlen stammen aus unserer eigenen Erhebung von 19 Plätzen.
Zwei Inseln, zwei Preissysteme
Wer die Preislisten beider Inseln nebeneinanderlegt, sieht den Unterschied sofort. Auf Usedom fragt die Preisliste zuerst, wie lang das Fahrzeug ist: Acht der neun Plätze aus unserer Erhebung staffeln nach Fahrzeuglänge oder erheben einen Längenzuschlag, sechs davon setzen eine Preiskante bei sieben Metern. Auf Rügen fragt kaum jemand nach der Länge. Von zehn erhobenen Plätzen nennen acht ihre Preise online, und nur zwei davon staffeln nach Länge, ein einziger mit der Sieben-Meter-Kante.
Stattdessen bucht man auf Rügen eine Fläche. Die Wohnmobil-Oase in Prora unterscheidet Standard mit 70 und XXL mit 110 Quadratmetern, das Caravancamp Ostseeblick in Dranske parzelliert seine Rasenplätze mit 90 bis 100 Quadratmetern, und beim Stranddörp in Lobbe entscheidet ausdrücklich die Lage und Größe der Parzelle. Zwei weitere Plätze nehmen schlicht einen Pauschalpreis pro Wohnmobil, egal wie groß es ist.
Woher die Zahlen stammen
Wir haben im August 2026 die Preislisten von 19 Campingplätzen erhoben, neun auf und um Usedom und zehn auf Rügen, jeweils direkt bei den Betreibern und nicht aus Campingportalen. Stand der Prüfung: 14. August 2026. Die Einzelvergleiche mit allen Preisen stehen in den beiden Inselartikeln, unten verlinkt.
Was das für Dein Fahrzeug bedeutet
Die Sieben-Meter-Grenze klingt abstrakt, verläuft aber mitten durch typische Wohnmobilflotten, auch durch unsere. Ein Sarus 96 Plus misst 6,97 Meter und bleibt knapp unter der Kante, ein Sarus 50 mit 6,99 Metern ebenso. Ein Kilig 69 Plus liegt mit 7,31 Metern darüber, ein Kilig 66 Plus mit 7,34 Metern auch. Auf Usedom entscheiden diese wenigen Zentimeter an sechs von neun Plätzen über die Preisstufe.
- Fahrzeug unter sieben Metern: Das Preissystem ist auf beiden Inseln egal, Du zahlst fast überall die mittlere oder untere Stufe. Entscheide nach Lage und Ausstattung.
- Fahrzeug über sieben Metern: Auf Rügen kostet es an sechs von acht Plätzen mit Preisdaten exakt dasselbe wie ein kurzes. Auf Usedom zahlst Du fast überall die oberste Stufe.
- Ausnahmen auf Usedom für lange Fahrzeuge: Naturcamping Lassan verlangt den Zuschlag erst ab neun Metern bei 80 Quadratmetern Standardparzelle, und Camping-Surfen-Usedom in Ückeritz staffelt fein bis zwölf Meter.
- Vorsicht beim Messen: Mancher Platz zählt Deichsel und Vorzelt zur Länge dazu. Im Zweifel vorher fragen, nicht schätzen.
Eine Einschränkung gehört dazu: Wo Rügen nur Kategorien wie Small, Medium und Large ohne Maßangabe nennt, wie beim Wildwood Camping in Zicker, weiß man vor der Buchung gar nichts. Dann hilft nur die Nachfrage. Eine Parzelle mit 90 bis 110 Quadratmetern dagegen nimmt jedes Fahrzeug unserer Flotte samt Vorzelt auf.
Im Winter dreht sich das Bild
Beim Preis für lange Fahrzeuge liegt Rügen vorn, bei der Wintertauglichkeit ist es genau umgekehrt. Auf Usedom sind vier der neun erhobenen Plätze im Winter nutzbar: Dünencamp Karlshagen, Ostseeblick Trassenheide, Pommernland Zinnowitz und Camping-Surfen-Usedom, dessen Nebensaison ausdrücklich von September bis April reicht. Auf Rügen sind es nur zwei von zehn, der Campingplatz Drewoldke und das Freizeitcamp Am Wasser in Breege-Juliusruh.
Dazu kommen die Winterpreise, die auf beiden Inseln überraschend niedrig sind. Beim Dünencamp kostet ein Fahrzeug über sieben Metern im Winter 9,50 Euro statt 19 bis 22 Euro in der Hauptsaison, Pommernland ruft 29 statt 50 Euro auf, und beim Freizeitcamp Am Wasser zahlt in der Nebensaison jedes Fahrzeug pauschal 10 Euro, egal wie lang. Wer die Ostsee ohne Betrieb erleben will, reist deshalb am günstigsten zwischen Oktober und April.

Das Freizeitcamp Am Wasser ist überhaupt der bemerkenswerteste Fund der Rügen-Erhebung: ganzjährig geöffnet, eine echte Längenstaffel unter und über sieben Metern, und Ver- und Entsorgung sind im Preis enthalten. So eine Kombination gab es sonst auf keiner der beiden Inseln.
Die Nebenkosten, die den Vergleich kippen können
Die Stellplatzgebühr ist nur der Anfang der Rechnung. Personen, Strom und Kurtaxe machen bei zwei Erwachsenen schnell mehr aus als der Platz selbst, und genau hier unterscheiden sich die Plätze stärker als beim Grundpreis.
- Strom: Meist pauschal 3,90 bis 5,00 Euro pro Tag. Das Stranddörp in Lobbe rechnet stattdessen 0,90 Euro pro Kilowattstunde nach Verbrauch ab, was für Sparsame günstiger und für Heizer teurer wird.
- Ampere: Camping Prora (Virgils) liefert als einziger erhobener Platz nur 10 Ampere Landstrom statt der üblichen 16. Wer elektrisch heizt oder eine Klimaanlage betreibt, stößt dort an die Grenze.
- Kurtaxe: Die Spanne reicht in unserer Erhebung von 1,00 Euro in Dranske bis 3,90 Euro in Ückeritz, pro Person und Nacht. Bei zwei Personen und einer Woche sind das zwischen 14 und rund 55 Euro, nur für die Kurtaxe.
- Personenpreise: Erwachsene kosten je nach Platz und Saison etwa 4,50 bis 10,90 Euro pro Nacht, Kinder sind mancherorts frei, etwa bis 15 Jahre in der Wohnmobil-Oase Prora.
Deshalb gilt auf beiden Inseln dieselbe Regel: Rechne immer die komplette Nacht für Deine Personenzahl durch, nie die Stellplatzgebühr allein. Die Spanne für ein Fahrzeug über sieben Metern reicht auf Usedom in der Hauptsaison von 15 bis 56 Euro, und hinter dem teuersten Wert steckt ein Platz, bei dem deutlich mehr Leistung im Preis enthalten ist.
Anfahrt: Usedom liegt fast vor der Tür
Von unserem Standort in Gützkow aus ist Usedom die naheliegende Insel. Die erhobenen Plätze liegen zwischen 27 und 41 Kilometern Luftlinie entfernt, der nächstgelegene ist Naturcamping Lassan am Peenestrom. Nach Rügen sind es grob 80 bis 120 Kilometer, je nach Ziel auf der Insel. Für ein Wochenende mit kurzer Anreise spricht das klar für Usedom, bei einer Woche und mehr spielt der Unterschied kaum noch eine Rolle.
Wer beide Inseln in einer Tour verbinden will, findet die passende Route mit Zwischenstopps in unserem Tourenartikel für Mecklenburg-Vorpommern. Von Usedom nach Rügen führt der Weg ohnehin an Greifswald und Stralsund vorbei, zwei Städte, die einen eigenen Stopp lohnen.
Das Fazit nach Reisetyp
- Langes Wohnmobil ab sieben Metern, Sommerreise: Rügen, weil die Länge dort an den meisten Plätzen keinen Aufpreis kostet. Auf Usedom gezielt Lassan oder Ückeritz wählen.
- Winterreise: Usedom, mit vier nutzbaren Plätzen gegen zwei und Winterpreisen ab 9,50 Euro. Auf Rügen bleibt das Freizeitcamp Am Wasser die verlässliche Adresse.
- Kurztrip ab Gützkow oder erste Fahrt mit dem Mietfahrzeug: Usedom, wegen der kurzen Anreise ab 27 Kilometern Luftlinie.
- Familie mit Kindern: Auf beiden Inseln auf die Personenpreise achten, sie variieren stärker als die Platzgebühr. Kostenfreie Kinder bis 15 gibt es etwa in Prora.
- Planbarkeit: Usedom, weil fast jede Preisliste die Länge sauber ausweist. Auf Rügen bei Kategorien ohne Maßangabe vorher anrufen.
Und wenn die Entscheidung schwerfällt: Die Inseln liegen nah genug beieinander, um beide in einer Tour zu sehen. Genau dafür ist ein Wohnmobil da.
Probier beide Inseln aus, bevor Du Dich festlegst: Unsere Mietfahrzeuge zwischen 5,80 und 7,34 Metern starten in Gützkow, eine gute halbe Stunde von Usedom entfernt.
Wohnmobil mietenHäufige Fragen
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Usedom und Rügen für Wohnmobilfahrer?
Das Preissystem der Campingplätze. Auf Usedom staffeln acht von neun erhobenen Plätzen nach Fahrzeuglänge, meist mit einer Kante bei sieben Metern. Auf Rügen staffeln nur zwei von acht Plätzen mit Preisdaten nach Länge, die übrigen rechnen nach Parzellenfläche oder pauschal ab.
Welche Insel ist besser für ein Wohnmobil über sieben Meter?
Beim Preis Rügen: Dort kostet ein langes Fahrzeug an sechs von acht Plätzen mit Preisdaten dasselbe wie ein kurzes. Auf Usedom fällt es fast überall in die oberste Preisstufe. Ausnahmen auf Usedom sind Naturcamping Lassan mit Zuschlag erst ab neun Metern und Camping-Surfen-Usedom mit einer feinen Staffel bis zwölf Meter.
Welche Insel ist besser für Wintercamping?
Usedom. Vier der neun erhobenen Plätze sind im Winter nutzbar, auf Rügen sind es zwei von zehn. Die Winterpreise sind niedrig: beim Dünencamp Karlshagen 9,50 Euro für ein Fahrzeug über sieben Metern, beim Freizeitcamp Am Wasser auf Rügen pauschal 10 Euro pro Fahrzeug.
Wie weit sind Usedom und Rügen von Gützkow entfernt?
Die erhobenen Usedom-Plätze liegen 27 bis 41 Kilometer Luftlinie von Gützkow entfernt, über die Straße kommen etwa zwanzig bis vierzig Prozent dazu. Nach Rügen sind es je nach Ziel grob 80 bis 120 Kilometer. Für Kurztrips ist Usedom deshalb die erste Wahl.
Was kostet eine Nacht auf dem Campingplatz auf den Inseln insgesamt?
Die reine Stellplatzgebühr reicht von 10 bis 56 Euro, je nach Platz, Saison und Fahrzeuglänge. Dazu kommen Personen mit etwa 4,50 bis 10,90 Euro pro Erwachsenem, Strom mit meist 3,90 bis 5,00 Euro pauschal und Kurtaxe zwischen 1,00 und 3,90 Euro pro Person. Rechne immer die komplette Nacht für Deine Personenzahl durch.
Worauf muss ich beim Landstrom achten?
Auf die Absicherung. Üblich sind 16 Ampere, Camping Prora (Virgils) auf Rügen liefert als einziger erhobener Platz nur 10 Ampere. Wer elektrisch heizt oder eine Klimaanlage betreibt, sollte das vorher wissen. Beim Stranddörp in Lobbe wird Strom zudem nach Verbrauch abgerechnet statt pauschal.
